Klassische Sehenswürdigkeiten in Berlin: Stadtrundgang auf eigene Faust
Unsere deutsche Hauptstadt ist quirlig, bunt, architektonisch irgendwie ein bisschen durcheinandergewürfelt, hat ihre Problemzonen und dazu eine bewegte Geschichte. Wo fängt man an, wo hört man auf, diese Stadt kennenzulernen? Für den Anfang habe ich mich auf die Klassiker beschränkt und war tatsächlich überrascht, wie spannend sich Berlin zeigte.
Inhalte
- Berlin im Überblick
- Persönliche Eindrücke
- Sehenswürdigkeiten in Berlin
- 1. Reichstag, Brandenburger Tor, Holocaust-Mahnmal
- 2. Potsdamer Platz & Panoramapunkt, Topographie des Terrors
- 3. Checkpoint Charlie, Gendarmenmarkt, Bebelplatz, Berliner Dom
- 4. Museumsinsel, Humboldt Forum, Nikolaiviertel, Rotes Rathaus
- 5. Fernsehturm, East Side Gallery, Schloss Charlottenburg
- Karte mit Sehenswürdigkeiten
- Mein Fazit: Lohnt sich Berlin?
Anmerkung: Da dieser Text sehr umfangreich ist, habe ich die Sehenswürdigkeiten im Inhaltsverzeichnis in fünf Abschnitte unterteilt. So siehst du, welche ich dir vorstelle und kannst direkt zum Abschnitt springen, der dich interessiert.
Über Berlin habe ich viel gehört: Die besten Jahre seien vorbei, die Stadt bleibe hinter ihren Möglichkeiten zurück, es sei dreckig, aber teuer, niemand wolle mehr nach Berlin. Auf der anderen Seite: Weltstar Harry Styles hat sich hier angeblich eine Wohnung gekauft, Künstler wie Peter Fox widmen ihrer Heimatstadt regelmäßig Lieder. Berlin ist bekannt für seine Kunst- aber auch legendäre Partyszene, für seine Kieze, Berlin schläft nie. Also, was denn nun?
So richtig wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Eigentlich war ich wegen der ITB in Berlin, aber nach den Messetagen hatte ich immer etwas Zeit, mir unsere Hauptstadt anzusehen. Es war eine große Überraschung für mich: Ich fand Berlin absolut spannend, wenngleich ich in der kurzen Zeit nur an der Oberfläche kratzen konnte.
Berlin im Überblick
Einwohner: rund 3,7 Millionen
Bundesland: Berlin ist ein Stadtstaat und zugleich die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland
Sehenswürdigkeiten & Unternehmungen: u.a. Brandenburger Tor, Reichstagsgebäude, Tiergarten, Fernsehturm, Schloss Charlottenburg, Berliner Dom, Stadtführung, Museumsbesuch, an der Spree sitzen
Historische Ereignisse:
- 1237 gilt als offizielles Jahr der Stadtgründung
- 1411 beginnt die über 500-jährige Hohenzollernherrschaft
- 1709 wurde Berlin zur königlichen Haupt- und Residenzstadt Preußens
- 1806 zog Napoleon mit seinen Truppen durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Die Franzosen besetzten die Stadt bis Dezember 1808. Die französische Fremdherrschaft in Preußen wurde erst 1814 beendet.
- 1871 wird Berlin Hauptstadt des Deutschen Reiches
- 1877 überschreitet die Einwohnerzahl die Millionengrenze
- 1961 Bau der Mauer
- 1990 feierten die Menschen in Ost- und Westdeutschland gemeinsam die Wiedervereinigung. Im selben Jahr wird Berlin zur Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands erklärt.
Persönliche Eindrücke von Berlin
Berlin hat mich positiv überrascht und ich fand es schade, dass ich neben der ITB nicht allzu viel Zeit hatte, mehr von der Stadt zu sehen, in Museen zu gehen und ins Stadtleben einzutauchen. Dennoch konnte ich einige Eindrücke mit nach Hause nehmen. Dazu gehören unter anderem:
- Berlin ist riesig! Eben mal schnell von A nach B zu kommen, schien mir schwierig. Die Berliner scheinen es gelassen zu nehmen, viele hatten für den ÖPNV ein Buch dabei.
- Architektonisch wirkte Berlin auf mich ein bisschen durcheinander gewürfelt: Hier sind die pompösen Bauten auf der Museumsinsel, da die hypermodernen verglasten Gebäude, dann gibt es Plattenbauten im Osten. Immer mal wieder ragt ein Hochhaus aus den Weiten Berlins, aber es gibt auch urige Orte wie das Nikolaiviertel.
- Es gibt viele Denkmäler oder Orte, die die Geschichte Berlins aufarbeiten – kostenlos.
- Lastenfahrräder. Ich dachte, dass sie besonders in Köln beliebt sind, aber Berlin steht dem in nichts nach.
- Berlin erschien mir laut und trubelig. Aber auch: genießerisch, etwa bei Sonnenuntergang an der Spree oder am Berliner Dom.
- Ach ja, der Dom. Zu meiner Freude gab es am Berliner Dom talentierte Straßenmusiker, die zum Sonnenuntergang für eine wunderschöne Atmosphäre sorgten.
- In der gruseligen Unterführung an der Berlin Messe Nord steht ein öffentliches Klavier. Häufig, wenn ich dort langging, musizierten Menschen und verwandelten diesen Ort zu einem Ort der Kreativität und Furchtlosigkeit.
Sehenswürdigkeiten in Berlin: Die Klassiker
Mir ist klar, dass die wenigen Tage in Berlin nicht ausreichen, um die Stadt wirklich in der Tiefe kennenzulernen. Berlin ist riesig und hat so viel zu bieten! So viele Plätze haben eine tiefgehende Geschichte, die ich in diesem Artikel, wenn überhaupt, nur anreißen kann. Bei meinem Besuch habe ich mich für die klassischen Sehenswürdigkeiten in der Stadtmitte sowie Schloss Charlottenburg im gleichnamigen Stadtteil entschieden.
Gut zu wissen: Die hier genannten Sehenswürdigkeiten kannst du in dieser oder umgekehrter Reihenfolge auf eigene Faust und zu Fuß erkunden. Schloss Charlottenburg sowie die East Side Gallery befinden sich etwas außerhalb, sind aber gut mit dem ÖPNV zu erreichen. Alle Orte findest du in der Karte unten aufgelistet.
1. Reichstag, Brandenburger Tor, Holocaust-Mahnmal
Reichstagsgebäude
Kein Sightseeing in Berlin ohne dem Reichstagsgebäude (auch: Reichstag) einen Besuch abzustatten. Es gehört neben dem Brandenburger Tor wohl zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Hauptstadt. Nicht nur, dass das imposante Gebäude mit der Glaskuppel einiges hermacht, nein, hier ist auch der Ort, an dem deutsche Politik gemacht wird. Seit 1999 ist es Sitz des Deutschen Bundestages. Der Bau gehört zu den Nationalsymbolen Deutschlands und wurde von 1884 bis 1894 errichtet.
Ein paar Fakten zum Reichstag:
- Sowohl der Reichstag des Deutschen Kaiserreiches als auch der Weimarer Republik kamen hier zusammen.
- Beim Reichstagsbrand 1933 und im Zweiten Weltkrieg wurde der Reichstag schwer beschädigt.
- Ab 1961 wurde das Gebäude in modernisierter Form wieder aufgebaut, auch wenn im geteilten Deutschland noch nicht klar war, wie es genutzt werden würde.
- Das Reichstagsgebäude lag nach der Teilung Berlins im Westen und zwar genau an der Grenze und dem Verlauf der Mauer.
- Der Reichstag gilt mit jährlich fast drei Millionen Besuchern als das weltweit meistbesuchte Parlamentsgebäude.
- Legendär: Die Verhüllung des Reichstag 1995 durch die Künstler Christo und Jeanne-Claude.
Wusstest du, dass …
… die Widmung “Dem Deutschen Volke” nach dem Bau des Reichstags eine Debatte auslöste? Kaiser Wilhelm II. soll sie sogar abgelehnt haben, weil sie die Volkssouveränität würdigte. Erst gut 20 Jahre nach der Fertigstellung des Reichstagsgebäudes wurde 1916 die Inschrift angebracht. Solange blieb die dafür vorgesehene Stelle leer.
Besucher können den Deutschen Bundestag nach vorheriger Anmeldung kostenlos besichtigen. Die Kuppel und die Dachterrasse des Reichstagsgebäudes sind täglich geöffnet. Es ist außerdem möglich, eine Plenarsitzung von der Besuchertribüne aus mitzuerleben. Infos zum Besuch des Deutschen Bundestages findest du auf der Website.
Brandenburger Tor
Nicht weit vom Reichstag entfernt befindet sich das Brandenburger Tor, ein weiteres Wahrzeichen von Berlin und Nationalsymbol Deutschlands. 1791 wurde das Tor eingeweiht. Den Bauauftrag erteilte der preußische König Friedrich Wilhelm II., der sich ein repräsentatives Stadttor am Endpunkt des Boulevards Unter den Linden wünschte.
Während der deutschen Teilung stand das Tor auf der Ostseite Berlins. Die Grenze verlief dort direkt lang und das Brandenburger Tor befand sich in der Sperrzone, sodass es nur für die DDR-Grenzsoldaten zugänglich war. War es einst ein Mahnmal der Teilung, steht es heute wie kein anderes Bauwerk für das wiedervereinigte Deutschland.
Kein Wunder also, dass dieser geschichtsträchtige Ort ein Besuchermagnet ist. Schulklassen, Touristen, Stadtführungen – sie alle kommen hier vorbei, inklusive mir natürlich.
Wusstest du, dass …
Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte brachte die Quadriga (die Siegesgöttin Victoria im Streitwagen auf dem Brandenburger Tor) nach seinem Sieg über Preußen 1806 als Trophäe nach Paris. In Preußen empfand man das als tiefe Demütigung, zumal das Brandenburger Tor acht Jahre ohne Quadriga dastand. Lediglich das senkrecht stehende Befestigungseisen ragte wie ein Stachel in die Luft.
1814 siegten die Preußen in den Befreiungskriegen gegen Frankreich, marschierten in Paris ein und brachten die Quadriga zurück nach Berlin. Die Berliner nannten die Quadriga seitdem liebevoll auch “Retourkutsche”.
Holocaustmahnmal
Vom trubeligen Brandenburger Tor lief ich weiter zu einem Ort, der stiller, nachdenklicher wird. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (kurz: Holocaust-Mahnmal) wurde 2005 eröffnet. Es erinnert an die rund sechs Millionen Juden, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet wurden.
2711 Stelen stehen auf einer wellenartigen Grundfläche. Sie sind unterschiedlich hoch, von Kniehöhe bis über vier Meter. Besucher können das Mahnmal von jeder Seite betreten und sich frei zwischen den Stelen bewegen. Die abstrakte Form und die Zahl der Stelen haben keinen tieferen Sinn, sollen jedoch zum Nachdenken anregen. Mittlerweile gibt es einige Deutungsansätze, so etwa, dass die Stelen an die Asche der verbrannten Juden erinnern, die meistens in Gewässer oder in Gruben geworfen wurde. Nachdenken fiel mir bei meinem Besuch ein wenig schwer, denn einige Schüler spielten in den schmalen Gängen des Mahnmals Verstecken und Fangen.
Unter dem Stelenfeld befindet sich im “Ort der Information” eine Dauerausstellung. In vier Räumen wird die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden thematisiert.
2. Potsdamer Platz & Panoramapunkt, Topographie des Terrors
Potsdamer Platz mit Panoramapunkt
Hinter dem Potsdamer Platz steht eine bewegte Geschichte, von der heute nicht mehr viel zu sehen ist. Es handelt sich um einen belebten Platz, der mit seinen futuristischen Bauten und den drei Hochhäusern Kollhoff-Tower, Forum-Tower und Bahntower spannende Fotomotive liefert.
In den 1830er Jahren spazierten die Bürger hier noch durch eine Grünanlage. Dann entwickelte sich der Platz in den Goldenen Zwanzigern zu einem Place to be mit Charleston und Champagner. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb nicht viel mehr als ein zerstörter Ort, an dem der Schwarzmarkt florierte.
Der Mauerbau teilte den Potsdamer Platz 1961 in Ost und West. Nun verlief hier der breiteste Todesstreifen Berlins. Nach der Wiedervereinigung rückte der Potsdamer Platz – der nur noch Ödland war – wieder in den Fokus. Er wurde bebaut, hergerichtet und galt eine Zeit lang als die größte Baustelle Europas. Heute geht man hier shoppen, essen, feiern und arbeiten.
Panoramapunkt im Kollhoff-Tower
Der Kollhoff-Tower ist das höchste Gebäude am Potsdamer Platz. Von seiner Aussichtsplattform Panoramapunkt hat man in hundert Metern Höhe einen tollen Ausblick über Berlin. Hoch geht es mit dem angeblich schnellsten Aufzug Europas. Er benötigt nur zwanzig Sekunden bis nach oben. Das heißt, Ohrendruck und vielleicht ein bisschen Magensausen, zumindest bei mir. Besucher werden von einem Fahrstuhlführer begleitet, der in den zwanzig Sekunden einige Infos herunterrattert und – wie ich irgendwie erleichtert feststellte – selbst mal kurz die Augen schließen musste, als der Fahrstuhl seine Geschwindigkeit vor dem Ziel drosselte.
An der Kasse vor Ort habe ich neun Euro für das Ticket bezahlt. Von oben genießt man nicht nur eine schöne Aussicht, sondern findet auch viele Informationstafeln und Bilder zur Geschichte des Potsdamer Platzes. Wer mag, genießt im Panoramacafè ein Getränk mit Ausblick.
Topographie des Terrors
Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors ist ein wichtiger, eintrittsfreier Erinnerungsort nahe dem Potsdamer Platz. Der Name kommt nicht von ungefähr. Auf dem heutigen Ausstellungsgelände befanden sich zwischen 1933 und 1945 die Hauptinstanzen des nationalsozialistischen Terrors: die Reichsführung-SS, der Sicherheitsdienst (SD), das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapo) samt Gefängnis sowie das Reichssicherheitshauptamt. Von hier aus lenkten die Nazis die Verfolgung und Vernichtung der politischen Gegner, Juden und Sinti und Roma.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude teils zerstört und in der Nachkriegszeit abgerissen. So gerieten die schauerlichen Geschichten dieses Ortes in Vergessenheit, bis man sie in den 1980ern wieder entdeckte. 1987 verankerte man sie mit der Erinnerungsstätte im Berliner Gedächtnis.
Die Freiluftausstellung “Berlin 1933 - 1945. Zwischen Propaganda und Terror” zeigt auf, wie die Nazis es schafften, sich zu etablieren und ihre Schreckensherrschaft ausübten. Auch die Folgen werden thematisiert, so etwa die Trennung von Ost- und Westberlin. Die Informationstafeln befinden sich entlang freigelegter Kellermauerreste (dem sogenannten Ausstellungsgraben), dahinter ragen Überreste der Berliner Mauer empor.
Falls dich das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors interessiert, bring etwas Zeit mit, das Gelände ist groß und es wird viel Wissen vermittelt.
3. Checkpoint Charlie, Gendarmenmarkt, Bebelplatz, Berliner Dom
Checkpoint Charlie
Gefühlt löst der Name Checkpoint Charlie bei vielen Menschen so etwas wie (N)Ostalgie aus. Er ist der bekannteste ehemalige Grenzübergang und befand sich an der Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße. Einst war er Schauplatz von gescheiterten Fluchten, tödlichen Schüssen, Momenten der Weltgeschichte und brenzligen Situationen. Kurz nach dem Mauerbau standen sich sowjetische und amerikanische Panzer direkt gegenüber, beide mit dem Befehl, im Notfall zu schießen.
An die Ernsthaftigkeit dieses Ortes erinnert heute irgendwie nichts mehr, wenn man nur vom Grenzübergang ausgeht. Der originalgetreue Nachbau der ersten Kontrollbaracke und die gestapelten Sandsäcke schienen mir eher zu einer Touristenattraktion verkommen zu sein, an der Besucher Fotos mit “US-Soldaten” machen können. Ein paar Meter weiter verkauft ein Straßenhändler Mützen und Uniformen. Irgendwie skurril. Und absurd. Auch wenn ich keinen Bezug zu dieser Zeit habe (als die Mauer fiel, war ich fünf Jahre alt und wuchs in einer heilen Welt an der Nordsee auf), fand ich die Szenerie irgendwie befremdlich. Auch wenn es in unmittelbarer Nähe Infotafeln, eine Panoramaausstellung und das Mauermuseum gibt, zog es mich recht schnell weiter zum Gendarmenmarkt.
Wusstest du, dass …
Der Name Checkpoint Charlie leitet sich vom Internationalen Buchstabieralphabet ab, also Alpha, Bravo, Charlie, Delta etc. Die Amerikaner nutzten drei der alliierten Kontrollpunkte. Neben dem Checkpoint Charlie, also dem dritten Kontrollpunkt, gab es auch Checkpoint Alpha (Helmstedt-Marienborn) und Checkpoint Bravo (Dreilinden-Drewitz).
Gendarmenmarkt
Bin ich noch in Berlin oder habe ich gerade ein unsichtbares Portal nach Italien oder Griechenland durchschritten? Der Gendarmenmarkt machte mich sprachlos. Dass er schön sein soll, habe ich schon in schwärmerischen Artikeln gelesen, aber nun, als ich selbst dort stand, war auch ich hin und weg. Drei monumentale Bauten rahmen den Platz ein: Deutscher Dom, Französischer Dom und das Konzerthaus. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinsehen sollte und hatte das Gefühl, dass mir die ganze Zeit der Mund weit offen stehen würde.
Der Deutsche Dom und der Französische Dom sind Zwillingsbauten und stehen sich gegenüber. Beide gingen aus recht schlichten Kirchen hervor, die von 1780 bis 1785 um die repräsentativen Dome erweitert wurden. Die Bezeichnung Dom bezieht sich jedoch lediglich auf die Kuppeln beider Gebäude, denn es sind keine Kirchen. Im Deutschen Dom befindet sich eine Ausstellung des Deutschen Bundestages zur Geschichte des parlamentarischen Systems. Der Französische Dom hingegen beherbergt das Hugenottenmuseum und eine Aussichtsplattform.
Der Gendarmenmarkt ist der perfekte Ort für eine kleine Pause, vielleicht in einem Café oder auf einer der vielen Bänke. Auch Fotofreunde werden hier auf ihre Kosten kommen – so viele Perspektiven und Möglichkeiten für tolle Bilder.
Bebelplatz
Nicht weit vom Gendarmenmarkt entfernt befindet sich der Bebelplatz. Der prächtige Platz entstand bereits 1740 und wurde von Friedrich dem Großen in Auftrag gegeben. Jedes Detail wurde genau geplant, der Platz ist von diversen Bauten eingerahmt:
- Staatsoper Unter den Linden
- Prinzessinnenpalais
- Sankt Hedwigs-Kathedrale
- Altes Palais
- Hotel de Rome
- Alte Bibliothek
Es ist eigentlich egal, wo man auf dem Platz steht, die Aussicht ist immer gut ob all der Sehenswürdigkeiten. Dazu kommt, dass die Fassaden noch so aussehen wie vor dem Zweiten Weltkrieg und man sich gut vorstellen kann, wie schön Berlin wohl vor 300 Jahren aussah.
Doch der Bebelplatz trägt ein schweres Erbe: Hier fand am 10. Mai 1933 die Bücherverbrennung statt. Die Nazis verbrannten über 20.000 Bücher, von denen sie der Meinung waren, dass sie “undeutschen Geistes” seien. Dazu gehörten Bücher von Erich Kästner, Heinrich Heine und der Familie Mann. Während viele der geächteten Autoren Deutschland bereits verlassen hatten, ist Kästner geblieben und sah unerkannt dabei zu, wie seine Bücher verbrannt wurden.
An dieses schaurige und beklemmende Ereignis erinnert seit 1995 das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung: Mitten auf dem Platz blickt man durch eine in den Boden eingelassene Glasscheibe in einen weißen Raum mit leeren Regalen, die Platz für 20.000 Bücher haben. Falls du mehr darüber erfahren möchtest, findest du auf dem offiziellen Hauptstadtportal einen
Artikel über die Bücherverbrennung mit originalen Bildern – mir gefror das Blut in den Adern, als ich mir den Artikel durchgelesen habe.
Berliner Dom
Im Herzen Berlins befindet sich der Berliner Dom, ein prächtiger Bau im Stil der Neorenaissance. Die mächtige Kuppel befindet sich rund 100 Meter über dem Straßenniveau und wird von vier Türmen flankiert. Ein echter Hingucker, besonders im Abendlicht. Dann versammeln sich im vorgelagerten Lustgarten viele Menschen, die die Atmosphäre genießen, essen, trinken, Gespräche führen und den Musikern lauschen.
Geschichtlich gesehen steht der Bau vor allem für die Hohenzollern-Dynastie. Der Dom, wie wir ihn heute kennen, geht auf Kaiser Wilhelm II. zurück. Der Vorgängerdom wurde abgerissen, weil er Kaiser Wilhelm II. nicht prachtvoll genug war. Vielmehr wurde der Ruf nach einem Gotteshaus laut, das sich mit dem Petersdom in Rom messen lassen konnte. So wurde der Dom von 1894 bis 1905 neu gebaut. Die Hohenzollerngruft, die im März 2026 nach Sanierung wiedereröffnet wurde, ist darüber hinaus die Grabstätte von 94 Fürsten und Königen aus dem Haus Hohenzollern und deren Familien. Damit ist sie eine der wichtigsten dynastischen Grabstätten Deutschlands.
Der Dom kann gegen Eintritt besichtigt werden. Auch die Kuppel ist begehbar, von hier genießt du einen schönen Blick auf die Umgebung mit der Museumsinsel, dem Humboldt-Forum, die Spree und natürlich den Fernsehturm.
4. Museumsinsel, Humboldt Forum, Nikolaiviertel, Rotes Rathaus
Museumsinsel
Bist du am Dom, bist du an der Museumsinsel, die zwischen Spree und Spreekanal liegt. Sie ist ein Eldorado für alle Fans von Geschichte und Architektur. Beispielsweise steht im Neuen Museum die weltberühmte Büste der Nofretete. Die Museumsinsel gehört mit ihrem Ensemble der historischen Gebäude zu einer der herausragendsten Museumskomplexe Europas. 1999 wurde sie zum UNESCO-Welterbe ernannt. Sie entstand von 1830 bis 1930 im Auftrag der preußischen Könige, gleich fünf Architekten wirkten mit. Bereits damals wurde sie mit dem Ziel gebaut, historisch bedeutsame Sammlungen und Kunst der Allgemeinheit zugänglich zu machen.
Welche Museen gibt es auf der Museumsinsel?
- Altes Museum
- Neues Museum
- Alte Nationalgalerie
- Bode-Museum
- Pergamonmuseum
Der Kolonnadenhof vor der Alten Nationalgalerie ist ein frei zugänglicher Stadtgarten und lädt zum Spazieren und Verweilen ein. Auf der Insel befinden sich außerdem die James-Simon-Galerie, der Berliner Dom, der Lustgarten sowie das Humboldt-Forum im ehemaligen Berliner Schloss.
Humboldt Forum im Berliner Schloss
Hier lautet meine Empfehlung, einfach einen kleinen Abstecher durch das Humboldt Forum im Berliner Schloss zu machen, auch wenn man nicht an den dortigen Ausstellungen interessiert ist. Wenn du ohnehin am Dom bist, kannst du gemütlich durch die Passage und den Schlüterhof schlendern und die wunderschöne Architektur bewundern. Beide sind rund um die Uhr zugänglich. Später habe ich gesehen, dass man gegen einen Eintrittspreis von drei Euro auch auf die Dachterrasse gehen kann. Im Humboldt Forum befindet sich zudem die Touristen Information.
Nikolaiviertel
Der nächste Ort war für mich im bis hierhin lauten und trubeligen Berlin eine kleine Ruheoase: das Nikolaiviertel. Hier schlägt das Herz der Stadt etwas gemächlicher, es gibt hübsche Cafés und kleine, individuelle Schmuck- oder Modegeschäfte. Tatsächlich ist das Nikolaiviertel das älteste Siedlungsgebiet Berlins, die Nikolaikirche wurde um 1230 fertiggestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Nikolaiviertel komplett zerstört. Erst zwischen 1980 und 1987 wurde das Viertel anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt wieder aufgebaut.
Rotes Rathaus
Auf dem Weg vom Nikolaiviertel zum Fernsehturm kann man das Rote Rathaus nicht übersehen. Es ist Sitz des regierenden Bürgermeisters sowie des Senats von Berlin.
Der Bau wurde von 1861 bis 1869 errichtet und sticht besonders durch seine leuchtend roten Ziegelsteine und den 74 Meter hohen Rathausturm hervor. Im Abendlicht wirkt der Turm noch feuriger als ohnehin schon. 247 Räume befinden sich im Rathaus, darunter der Wappensaal, der Große Festsaal und der Säulensaal. Namhafte Bürgermeister von Berlin waren unter anderem Willy Brandt, Richard von Weizsäcker und Klaus Wowereit, der den Satz “Berlin ist arm, aber sexy” prägte.
5. Fernsehturm, East Side Gallery, Schloss Charlottenburg
Fernsehturm
Weithin sichtbar ist der Fernsehturm, man kann ihn nicht übersehen. Mit seinen 368 Metern ist er das höchste Gebäude Deutschlands und bietet auf einer Höhe von 203 Metern ein Drehrestaurant sowie einen 360 Grad Panoramablick über Berlin. Er befindet sich nahe dem Alexanderplatz.
Als er 1969 fertiggestellt wurde, war seine Eröffnung in der DDR ein Riesending. Eine hochrangige Delegation, unter anderem mit Machthaber Walter Ulbricht, nahm daran teil. Der Fernsehturm wurde in den Himmel gelobt und als “Meisterstück für die Republik” bezeichnet. Die Presse in West-Berlin hingegen nahm von dem Ereignis keine Notiz und versuchte, den Fernsehturm bestmöglich zu ignorieren. Nach der Wiedervereinigung erwog man ernsthaft, den Turm abzureißen, weil er als “Inbegriff der totalitären DDR-Herrschaft” galt. Zum Glück entschied sich die BRD dagegen, denn heute ist der Fernsehturm ein Markenzeichen für Berlin und Deutschland.
Wusstest du, dass …
Bei Sonnenschein zeichnet sich auf der Kugel des Fernsehturms eine Art Kreuz ab, eine Reflexion, die aufgrund der speziellen Oberflächenstruktur entsteht. Legenden zufolge soll sich Staatschef Walter Ulbricht darüber wahnsinnig geärgert haben, denn mit dem Kreuz war das Symbol des Christentums weithin sichtbar – Christentum und Kirche galten für die SED-Führung als ideologische Gegner. Die sogenannte “Rache des Papstes” sollte entfernt werden, entweder durch einen Abriss (ist nicht geschehen) oder zumindest durch eine Politur der reflektierenden Prismen. Wie man noch heute sieht, hat es nichts gebracht.
Besuch des Fernsehturms
Der Fernsehturm ist ein touristisches Highlight und zieht jährlich über eine Million Besucher an. Der Preis für ein Standard-Ticket beginnt ab 25,50 Euro mit Rabatt (Stand März 2026). Die Tickets bestellst du online und musst dich für einen Zeitslot entscheiden. Meiner Meinung nach ehrlich gesagt ziemlich happig. Die Aussicht in diesen luftigen Höhen ist der Wahnsinn, aber wenn du etwas Geld sparen willst, hast du auch eine tolle Aussicht vom Panoramapunkt am Potsdamer Platz für rund ein Drittel des Eintritts.
Sehenswert: East Side Gallery
Ein Ort, den ich mir unbedingt ansehen wollte, war die East Side Gallery. Sie befindet sich am Ufer der Spree entlang der Mühlenstraße. So ganz konnte ich persönlich diesen Ort nicht greifen. Vor mir stand ein Stück der Mauer, die Berlin getrennt hat. Aber im Sonnenlicht mit den vielen Bildern wirkte sie wie ein großes Kunstprojekt, obwohl hier Menschen erschossen wurden. Mit einer Länge von 1,3 Kilometern ist die East Side Gallery das längste erhaltene Mauerstück in Berlin – und gleichzeitig ist sie die längste Open Air Galerie der Welt.
Nach dem Fall der Mauer gestalteten über 118 Kunstschaffende aus 21 Ländern die Mauer mit ihren Kunstwerken und halten diesen historischen Ort lebendig. Die Gallery ist ein Dokument der Zeitgeschichte, viele der Gemälde zeigen Freude über den Mauerfall, die Überwindung des Kalten Kriegs sowie Hoffnungen auf Frieden, Freiheit und Demokratie. Die bekanntesten Bilder der East Side Gallery sind der Bruderkuss sowie der Trabi, der durch die Wand zu brechen scheint. 1991 wurde die East Side Gallery in die Denkmalliste des Landes Berlin aufgenommen. Viele Hintergrundinfos findest du auf der Website der
Stiftung Berliner Mauer.
Schloss Charlottenburg
Nach dem Trubel, dem Straßenlärm und der beständigen Geräuschkulisse auf der ITB sehnte sich mein introvertiertes Ich nach Ruhe. So entschied ich mich, zum Schloss Charlottenburg im Westen der Stadt zu fahren. Ich mag Schlösser. Ich mag die Details, die Schnörkel, die Schlossgärten und kann in solchen immer herrlich abschalten. Noch lag Schloss Charlottenburg mit seinem Park im Winterschlaf. Aber bei meinem Spaziergang durch diese Ruheoase in Berlin erfreute ich mich an Eichhörnchen, den Graureihern und dem Vogelgezwitscher.
Schloss Charlottenburg war von 1701 bis 1888 die Sommerresidenz der preußischen Könige. 1695 ließ Königin Sophie Charlotte das Schloss, das zunächst den Namen Schloss Lietzenburg trug, errichten. Die Königin galt als hochgebildet und sehr musikalisch und soll mit Leibniz durch den Schlossgarten spaziert sein. Nach ihrem Tod 1705 wurde es zu Ehren der kunstbegeisterten Königin in Schloss Charlottenburg umbenannt.
Heute kann man das Schloss als Museum besichtigen. Zu sehen gibt es unter anderem originalgetreu eingerichtete Räume und Säle sowie hochkarätige Kunstsammlungen. Darüber hinaus wird viel Wissen über die Dynastie der Hohenzollern vermittelt.
Karte mit Sehenswürdigkeiten in Berlin
All die in diesem Artikel genannten Sehenswürdigkeiten von Berlin habe ich mir in Etappen angesehen. Zur besseren Übersicht habe ich eine Karte mit Wegen erstellt, die du dir bei Bedarf ansehen kannst. Ob und welche Sehenswürdigkeiten auf der Karte du an einem Tag ansiehst oder dir mehr Zeit nimmst (würde ich empfehlen, sonst wird es stressig), kannst du ganz nach Belieben entscheiden.
Fazit: Ist Berlin eine lohnende Reise?
Meiner Meinung nach lohnt es sich absolut, nach Berlin zu fahren. Ob für einen Tag oder eine Woche, die Stadt hält einiges bereit. Sie mag vielleicht nicht die klassischen Altstadtviertel bieten und auf manchen irgendwie ungeordnet wirken, dafür gibt es jede Menge Prunkbauten im Zentrum, spannende Architektur, Museen und öffentlich zugängliche Orte, die die Geschichte Berlins aufarbeiten. Mit mehr Zeit hat man auch die Möglichkeit, sich die Kieze anzusehen und ins Stadtleben einzutauchen.
Im Internet habe ich immer wieder mal Stimmen gelesen, die davor warnen, nach Berlin zu fahren: dreckig, groß, laut, so hieß es. Ehrlicherweise hat mich das auch zweifeln lassen, aber aufgrund der Messe war ich ja eh dort und wollte mir unsere Hauptstadt ansehen. Mich hat sie positiv überrascht. Am Ende ist vieles Geschmackssache, deswegen sollte man es am besten einmal selbst ausprobieren.
Über mich

Hey, ich bin Katrin, schön, dass du auf meinem kleinen Reiseblog gelandet bist. Ich bin leidenschaftlich gerne unterwegs, liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen und immer wieder ein bisschen mehr von mir selbst. Der Blog richtet sich an alle, die gerne alleine reisen oder es einfach mal ausprobieren wollen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern.
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