Monschau Altstadt:
Rundgang durch die Kleinstadt in der Eifel
Schon lange hat mir ein Ausflug nicht mehr so gut getan wie der nach Monschau. Einerseits strahlte die Sonne vom Himmel, andererseits schien in Monschau die Zeit stillzustehen, im positivsten Sinne. Bei meinem Stadtrundgang durch die Altstadt genoss ich die neuen Eindrücke, entdeckte ständig hübsche Details und atmete tief ein, als hin und wieder der Geruch von Printen durch die Straßen zog.
Inhalte
Endlich habe auch ich Monschau besucht! Lange habe ich einen Tagesausflug dorthin aufgeschoben, weil mich die Fahrzeit mit ÖPNV und eine gefühlt zu kurze Umsteigezeit in Aachen abschreckten. Wie froh bin ich, dass ich es “gewagt” habe, denn der Besuch in Monschau hat mir sehr gutgetan, da ich an diesem Ort richtig abschalten konnte. Seien es die verwinkelten Gassen, die Fachwerk- und Schieferhäuser, die prächtigen Stadthäuser der damaligen Industriellen oder die mannigfaltigen Perspektiven, die sich für mich als Hobbyfotografin eröffnet haben: das alles – und natürlich der strahlend blaue Himmel – trugen zu einem nachhaltig in Erinnerung gebliebenen Tag in Monschau bei.
Mein Plan war simpel wie einfach: Monschau auf eigene Faust entdecken und mir einen schönen Tag in der Kleinstadt in der Eifel machen. Die Tourist Information stellt einen
Flyer mit dem Rundweg 15und Infos zu einigen Sehenswürdigkeiten zur Verfügung, an dem ich mich grob orientiert habe.

Monschau im Überblick
Einwohner: rund 12.400
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Sehenswürdigkeiten & To-dos: u.a. Rundgang durch die Altstadt, Rotes Haus mit ikonischem Rur-Blick, Marktplatz, Evangelische Stadtkirche, Burg Monschau, Wandern, kleiner Wasserfall im Stadtpark, zur Haller-Ruine gehen.
Gut zu wissen:
- Monschau war einst berühmt für seine Textilindustrie und Tuchmacher. Auch heute noch steht die Stadt im Zeichen ihrer Geschichte. Zeitzeugen des Reichtums und des Erfolgs sind unter anderem das Rote Haus der Tuchmacherfamilie Scheibler und der Rahmenberg (siehe Abschnitt Sehenswürdigkeiten).
- 1198 wurde Monschau erstmals erwähnt, über die folgenden Jahrhunderte wurden jedoch unterschiedliche Namen und Schreibweisen benutzt. Der bis 1918 verwendete Name Montjoie wurde durch den kaiserlichen Erlass Wilhelm II. in Monschau geändert.
- Monschau ist seit 1996 staatlich anerkannter Luftkurort, das heißt, Luft und Klima weisen Eigenschaften auf, die für Erholung und Gesundheit förderlich sind.
- Keine Überraschung: Die Altstadt von Monschau diente mehrmals Kulisse für Film und Fernsehen, dazu gehören deutsche Produktionen wie Schimanski, aber auch internationale Produktionen, an denen etwa Sir Anthony Hopkins mitwirkte.
- 2024 wurde Monschau vom Online-Reisemagazin Travelbook zur schönsten Kleinstadt Deutschlands gewählt.
- Die Altstadt von Monschau ist ein Touristen-Magnet: Jährlich kommen laut Stadt etwa 2 Millionen Tagesbesucher.
Anfahrt mit Bus und Bahn
Von Köln ging es für mich mit Bus und Bahn nach Monschau. Die erste Etappe fuhr ich mit dem Zug von Köln nach Aachen-Rothe Erde. Dort hatte ich ambitionierte neun Minuten Umsteigezeit, um den Bus SB66 nach Monschau (Haltestelle Monschau Altstadt) zu erreichen. Die Fahrzeit betrug insgesamt gut zwei Stunden.
Während die Zugfahrt von Köln nach Aachen vergleichsweise unspektakulär ist, bietet die einstündige Busfahrt von Aachen nach Monschau immer wieder schöne Aussichten auf die Eifel. Der Bus durchfährt zudem hübsche Orte. Besonders aufgefallen ist mir Kornelimünster, das schon vom Bus aus erahnen lässt, dass sich ein Besuch lohnen könnte.
Irgendwann ging es hinter Imgenbroich über Serpentinen ins Tal und der Bus erreichte sein Ziel: Monschau Altstadt. Die Haltestelle befindet sich direkt vor den Toren der Stadt und ich stiefelte los hinein in meinen Tagesausflug.

Persönliche Eindrücke von Monschau
Zu jedem Ausflug gehören persönliche Eindrücke und Erfahrungen, die ich an dieser Stelle immer gerne mit euch teile.
- Ob es der Fakt ist, dass Monschau anerkannter Luftkurort ist oder an der schönen Kulisse, in jedem Fall hat der Ausflug zu meiner Erholung beigetragen.
- Auch auf die anderen Besucher schien Monschau eine positive Wirkung zu haben: Zumindest als ich dort war, gab es lauter strahlende Gäste, die bummelten, Kaffee tranken oder Fotos machten.
- Ich war an einem Mittwoch in Monschau. Zu dieser Zeit war es am Vormittag sehr ruhig, erst gegen Mittag füllten sich die Straßen.
- Die verwinkelten Gassen, die hübschen Häuser und die Rundwege in den Hängen bieten (Hobby)Fotografen wie mir jede Menge Raum, um sich auszuprobieren, kreativ zu sein und mit verschiedenen Perspektiven zu spielen.
- Monschau schien mir urig und verschlafen, was definitiv auch dazu beigetragen hat, dass ich entschleunigen und mich entspannen konnte.
- Hin und wieder zog der Duft von Printen durch die Straßen direkt in meine Nase. Weihnachten? Nein, sondern wie in Aachen ein Gebäck, das ganzjährig hergestellt wird und als Spezialität gilt.

Spaziergang durch die Altstadt von Monschau
Kopfsteingepflasterte Straßen, ein verwinkelter Stadtkern, rund 300 denkmalgeschützte Fachwerk- und Schieferhäuser, eine idyllische Lage im Tal mitten in der Eifel, eine Burg und die rauschende Rur: Das ist die Altstadt von Monschau. Und genau diese Altstadt zieht im Jahr rund zwei Millionen Tagesbesucher an. Bei meinem Besuch Anfang November und unter der Woche merkte ich davon relativ wenig und konnte die Ruhe des Vormittags genießen.
Besonders beliebt und auf zahlreichen Bildern abgebildet sind das Rote Haus und der Flussabschnitt zwischen der Evangelischen Brücke und dem Markt (Alte Rurbrücke). In diesen Bereichen hat man einen tollen Blick auf die Rur mit den sich aneinanderschmiegenden, bunten Fachwerkhäusern, die direkt an den Fluss grenzen.
Bevor ich dort landete, ging ich zunächst hoch zur Burg und bummelte anschließend durch den südlichen Teil der Stadt entlang der Stadtstraße. Über eine Brücke lief ich zum Stadtpark mit der Antoniuskapelle. Außerdem entdeckte ich verschiedene Aufstiege zu den Rundwegen oberhalb von Monschau. Zu meiner großen Freude kam ich an einem kleinen Wasserfall vorbei und bedauerte gleichzeitig, dass ich keine Wanderschuhe trug. Deswegen spazierte ich nur ein kurzes Stück über die matschig-rutschigen Wege, um anschließend wieder Richtung Zentrum zu schlendern, wo mich die oben genannten “Highlights” erwarten würden.

Sehenswürdigkeiten in Monschau
Bei meinem Stadtrundgang wollte ich ganz gemütlich durch die Monschauer Altstadt spazieren und einfach den Moment genießen. Kein Stress, kein Abklappern aller Sehenswürdigkeiten. Meiner Meinung nach ist Monschau insgesamt absolut sehenswert, aber natürlich liegen auf den Wegen auch klassische Sehenswürdigkeiten wie das Rote Haus oder die Evangelische Stadtkirche.
Burg Monschau
Mein erstes Ziel in Monschau war die Burg. Die Sonne stand noch recht tief und tauchte Dächer und Hänge in warmes Morgenlicht. Schon auf dem kurzen Anstieg blieb ich zigmal stehen und war begeistert von den verwinkelten Straßen und den hübschen Häusern, die man von der Anhöhe ganz anders wahrnimmt als von unten.
Die Burg Monschau wurde vermutlich um 1200 erbaut und ist dennoch eine jung gebliebene Zeitzeugin mit rund 800 Jahren auf dem Buckel. Jung geblieben, weil nach dem Ersten Weltkrieg eine Jugendherberge in den Westflügel zog und bis heute Kinder, Jugendliche und Familien im Burghof spielen oder Wehrgänge erkunden und die Burg jung und lebendig halten.
In ihrer wechselhaften Geschichte wurde sie mehrfach ausgebaut, besetzt, erobert, (schwer) beschädigt, dann wieder saniert und erweitert. Unter französischer Besatzung wurde die Burg an Privatleute verkauft. Um von der Gebäudesteuer befreit zu werden, ließen die neuen Eigentümer die Dächer abtragen, was zu einem langsamen Verfall durch eindringende Nässe führte. 1900 kaufte die Stadt Monschau die Burg zurück und ließ sie 1930 wieder aufbauen.
Als ich den Burghof betrat, war nahezu nichts los. Nur zwei Paare traf ich während der gesamten Zeit dort an. Die Anlage ist frei zugänglich und ich ließ es mir nicht nehmen, den Eselsturm zu besteigen und auf Erkundungstour zu gehen. Ein bisschen gruselte es mich, als ich durch einen Gang lief, der nur vom einfallenden Licht in den beiden Eingangsbereichen erhellt wurde. Mein Kopf spielte mir Streiche, schließlich konnte hier ja jemand auf mich warten – warum auch immer. Umso erleichterter war ich, als ich mich dem Ausgang näherte. Auch mit 41 Jahren kann man in einer Burg Mikroabenteuer erleben :-)



Haller Ruine
Nicht nur Burg Monschau wacht über der Stadt, sondern auch die Haller Ruine oberhalb des Marktplatzes. Das Befestigungsbauwerk aus dem 13. Jahrhundert gilt als eigenständige Anlage und nicht als Wachturm der Burg Monschau. Vielmehr wird vermutet, dass die Haller Ruine sogar älter ist als die Burg und einst aus einem Wohn- und Verteidigungsturm bestand. Allerdings gab es an dem Standort keine Möglichkeit, den Bau zu erweitern, also wurde Burg Monschau gebaut. Für deren Reparaturen und Bauvorhaben, wie etwa den Eselsturm, wurde die Haller-Befestigung abgetragen.
Es lohnt sich, einen kleinen Abstecher zur Haller Ruine zu machen. Sie ist fußläufig gut zu erreichen und bietet schöne Ausblicke über Monschau.
Rotes Haus
Das Rote Haus ist das Wahrzeichen von Monschau und bestes Beispiel für die Blütezeit der Monschauer Textilindustrie. Der Tuchfabrikant Johann Heinrich Scheibler ließ es um 1760 als Zeichen seines Erfolges errichten. Es war der Stammsitz der Tuchmacherfamilie Scheibler, die im Roten Haus sowohl lebte als auch arbeitete. Das Wohnhaus „Zum goldenen Helm“ befindet sich auf der linken Seite; über dem Eingang wurde entsprechend ein goldener Helm angebracht. Der Geschäftsbereich „Zum Pelikan", mit Kontor und Lager auf der rechten Seite, wurde mit einem goldenen Vogel über dem Eingang versehen.
Die Familie Scheibler nutzte und pflegte das Rote Haus über 200 Jahre, bis sie es 1963 mit dem Landschaftsverband Rheinland der Öffentlichkeit zugänglich machte. Heute ist es ein Museum und kann für sechs Euro von April bis November besichtigt werden. 13 vollständig eingerichtete Räume gehören zur Ausstellung und geben einen authentischen Einblick in das wohlhabende Leben der Tuchmacherfamilie. Ein Highlight ist die freitragende, geschwungene Prunktreppe aus Eichenholz, die sich über drei Etagen nach oben windet. Im einstigen Geschäftsbereich wird die vorindustrielle Tuchproduktion thematisiert. Hier erhalten Besucher Einblicke in die aufwendigen Arbeitsschritte und erfahren mehr über die Geschichte der Tuchmacherarbeit.

Haus Troistorff
Das zweite repräsentative Stadthaus eines Tuchmachers ist das Haus Troistorff vom gleichnamigen Tuchfabrikanten. Es wurde gut 25 Jahre nach dem Roten Haus errichtet. Auch wenn es sich im Stil unterscheidet, ist es ein weiterer Zeitzeuge für den Erfolg der Monschauer Tuchindustrie. Schnitzereien, Ornamente, Stuckdecken, eine freitragende Treppe und ein Ziergiebel mit dem Doppelwappen der Familie sprechen für den Reichtum der Familie. Durch Heirat waren die Troistorffs mit den Scheiblers aus dem Roten Haus verbunden.
Als die Hochzeit der Tuchindustrie langsam dem Ende entgegenging, verließen die Nachkommen der Familie Troistorff Monschau um 1820. Das Gebäude wurde vernachlässigt und sich selbst überlassen. Heute ist das Haus Troistorff Eigentum der Städteregion Aachen und beherbergt den „Kunst- und Kulturverein Haus Troistorff“. Außerdem wird es für Empfänge, Tagungen, Hochzeiten oder Ausstellungen genutzt. Während der Weihnachtszeit verwandeln sich die Fenster in einen beleuchteten Adventskalender und zeigen hinter jedem “Türchen” ein anderes Motiv.

Evangelische Stadtkirche Monschau
Im Herzen Monschaus steht neben dem Roten Haus die Evangelische Stadtkirche mit ihrem charakteristischen Turm. 1787 wurde der Bau der Kirche auf Initiative von wohlhabenden Tuchmachern in Auftrag gegeben – insbesondere aber von der Familie Scheibler. Der erste Pfarrer der Stadtkirche war der Theologe Maximilian Friedrich Scheibler.
Der Bau der Evangelischen Stadtkirche ist gar nicht so selbstverständlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass Lutheraner und Reformierte auch nach der Reformation immer wieder phasenweise verfolgt und unterdrückt wurden. Erst 1672 wurde den Lutheranern erneut das Recht auf öffentliche Religionsausübung gewährt. Der Prozess der Gegenreformation reichte allerdings noch bis ins 18. Jahrhundert hinein.
Weil sie besonders und selten gestaltet und von hoher Relevanz für die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Monschaus ist, wurde die Evangelische Stadtkirche vom Deutschen Bundestag zum "Bauwerk von nationaler Bedeutung" erhoben.

Rahmenberg
Ich will ehrlich sein: Den Rahmenberg mit seiner historischen Bedeutung habe ich nicht als solchen wahrgenommen. Als ich von der Burg Monschau hinüberblickte, dachte ich nur: "Was ist das? Warum hängen da Graffitis und Staffeleien?" Jetzt, wo ich mich im Nachhinein noch einmal mit Monschau beschäftige, lese ich, dass der Rahmenberg mit seinem Namen nicht von ungefähr kommt.
Auf den angelegten Terrassen des Rahmenberg wurden die Tuchrahmen aufgestellt (daher der Name). Nachdem die Stoffe bearbeitet wurden, spannte man sie zum Trocknen auf Rahmen. Das Aufspannen hatte außerdem den Effekt, dass die Stoffe nicht einliefen. Der Rahmenberg ist ein eingetragenes Bodendenkmal und erinnert an die Tuchmanufaktur.

Wandern und Spazieren
Monschau eignet sich neben einem Stadtbummel auch hervorragend zum Spazieren und Wandern. Wie weiter oben bereits erwähnt, habe ich das zu meinem Bedauern im matschigen Stadtpark mit meinen Sneakern nur anreißen können. Wenn ich das nächste Mal nach Monschau fahre, würde ich diese Wege gehen:
- Rundweg 25: Kurzer Rundweg/ Panoramaweg mit Abschnitt oberhalb von Monschau, den ich zumindest angerissen habe.
- Rundweg 35: Etwas längere Tour, die durch die Altstadt und ein Stück um die Rur führt.
- Haller Ruine: Ein Aufstieg lässt sich mit dem Rundweg 25 verknüpfen.
Meine Empfehlung: Mit dem richtigen Schuhwerk und etwas Zeit lohnt es sich, nicht nur in der Altstadt zu bleiben, sondern die Rundwege zu nutzen, die man vom Zentrum aus bequem zu Fuß erreichen kann.



Mein Fazit: Lohnt sich ein Besuch in Monschau?
Ein klares Ja. Monschau ist eine Stadt für Herz und Seele. Für mich war die Altstadt ein Ort, an dem ich meinen Alltag hinter mir lassen konnte und ein bisschen das Gefühl von heiler Welt hatte. Nicht zu vergessen sind natürlich die wunderschönen Gebäude und die liebevoll gestalteten Straßen. Darüber hinaus bietet Monschau durch seine Tallage herrliche Wanderwege in Hängen rund um die Stadt. Leider habe ich zu spät erkannt, welches Potenzial sie bieten, aber immerhin konnte ich eine kleine Runde im Stadtpark mit Wasserfall laufen.
Wenn ich ein zweites Mal hinfahre, dann mit Wanderschuhen und genug Proviant im Rucksack, denn dann wird mein Fokus nicht auf der Altstadt liegen, sondern auf den Wegen rund um die Kleinstadt in der Eifel.
Über mich

Hey, ich bin Katrin, schön, dass du auf meinem kleinen Reiseblog gelandet bist. Ich bin leidenschaftlich gerne unterwegs, liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen und immer wieder ein bisschen mehr von mir selbst. Der Blog richtet sich an alle, die gerne alleine reisen oder es einfach mal ausprobieren wollen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern.
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