Karer See, Dolomiten: Atemberaubende Naturschönheit
Katrin Gehring • 22. Mai 2026

Ausflug zum Karer See:

Anfahrt, Rundweg, Eindrücke

Atemberaubende Naturkulisse, kontrastreiches Farbspiel, Ehrfurcht: Mein Ausflug von Bozen zum Karer See war eindrücklich, betörend und hat mir wieder bewusst gemacht, warum ich mehr rausgehen muss.

Der Karer See (italienisch: Lago di Carezza) gilt als einer der schönsten Seen in Südtirol. Sein smaragdgrünes Wasser vor imposanter Bergkulisse und grünen Tannenwäldern versetzen Besucher in Entzücken und Staunen. Mich auch. Die Farbenspiele des Wassers verhalfen dem Karer See zu seinem Beinamen: Regenbogensee.


Der See liegt in einer Senke unterhalb des Latemar-Gebirgsmassiv und speist sich aus unterirdischen Quellen. Die Tiefe sowie die Ausdehnung des Sees sind von Schneeschmelze, Wetter und Saison abhängig. Als ich in der zweiten Aprilhälfte dort war, war der Wasserstand ziemlich niedrig und die Ausdehnung entsprechend gering. Die Skulptur der sagenhaften Nixe (siehe weiter unten) saß wortwörtlich auf dem Trockenen statt im oder unter Wasser, wenn der Pegel entsprechend hoch ist. Das hat der malerischen Naturkulisse jedoch keinerlei Abbruch getan.

Karer See mitten in den Dolomiten und einer herausragenden Kulisse mit dem Latemar im Hintergrund.

Crashkurs Karer See

Höhe: 1.520 Meter über dem Meeresspiegel

Länge: bis zu 300 Meter

Breite: bis zu 140 m

Tiefe: bis zu 22 Meter

Gut zu wissen:

  • Der See ist ein geschütztes Naturdenkmal, es gelten besondere Verhaltensregeln (siehe weiter unten).
  • Der Karer See ist so besonders, weil sein Wasser je nach Tageszeit seine Farben von smaragdgrün bis tiefblau ändert und regenbogenartig schimmert. Seine Umgebung mit den Bergkulissen Latemar im Süden und Rosengarten im Nordosten spiegelt sich glasklar auf der Wasseroberfläche.
  • Einer Sage nach lebte hier eine wunderschöne Wassernixe, die mit dem Farbenspiel des Sees zu tun hat.
Panoramablick auf den Lado di Carezza.

Von Bozen zum Karer See mit dem Bus

Von Bozen aus ist es ein Leichtes, mit dem ÖPNV zum Karer See zu gelangen. Vom Busbahnhof in Bozen fährt stündlich die Linie 180 auf ihrem Weg zum Karerpass den Karer See an. Der Bus schraubt sich vom Tal hinauf in die Dolomiten und passiert Dörfer, grüne Berglandschaften und kommt den schroffen Gipfeln immer näher. Bei der Busfahrt kann man, wie ich finde, sein Smartphone getrost in der Tasche lassen und stattdessen über die echte Landschaft, die draußen vorbeizieht, staunen.


Die Haltestelle Karersee befindet sich direkt am See – was zugleich bedeutet, dass die Hauptstraße direkt oberhalb von ihm verläuft. Beim Ausstieg gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder geht man direkt den schmalen Weg zum See hinunter oder man wechselt die Straßenseite, um vom Besucherzentrum aus barrierefrei durch eine Tunnelunterführung zum See zu gelangen.


  • Ab Bozen verkehrt die Buslinie 180 im Stundentakt, von etwa 7 Uhr morgens bis 21 Uhr abends.
  • Ein Einzelticket von Bozen zum Karer See kostet 6 Euro, das du beim Busfahrer oder in der App kaufen kannst. Entscheidest du dich für die Mobilcard oder hast von deiner Unterkunft den Südtirol Guest Pass erhalten, sind alle Fahrten mit dem ÖPNV inbegriffen.
  • Die Busfahrt von Bozen zum Karer See dauert gut 50 Minuten.
Der Rundweg vom Karer See startet an der Hauptstraße, ein Wegweiser zeigt den Weg hinab zum See.

Meine persönlichen Eindrücke

Als sich der Bus den Pass hinaufschraubt und die schroffen Berge der Dolomiten immer näher kommen, werde ich ganz aufgeregt. Ungeduldig rutsche ich auf meinem Sitz hin und her. Da ist die Haltestelle. Kurz erhasche ich einen Blick vom Bus auf den See. Jetzt steige ich mit zwei anderen Leuten aus. Erster Eindruck: Hier oben, auf rund 1.500 Metern, ist es bitterkalt. Und still. Vor uns liegt der Karer See, die sattgrünen Tannen und alle Oberflächen sind von Frost bedeckt, der Latemar erhebt sich königlich vor uns und wird zum Teil noch in eine Wolke gehüllt. Kurz halten wir Drei inne und schauen auf die Kulisse vor uns. Dann geht jeder seinen Weg. Der junge Mann, nur mit Pulli und Jogginghose bekleidet, Richtung Besucherzentrum. Die junge Frau direkt hinunter zum See, um Videos zu drehen. Ich bleibe stehen. Staunend. Kaum begreifend, dass ich wirklich an diesem Ort bin, der so wunderschön ist, dass er mich sprachlos macht. Nur in meinem Kopf hämmert es laut und unaufhörlich: “Ist das schön! Ist das schön! Ist das schön!”


Als ich um 9 Uhr morgens ankomme, ist am Karer See noch nichts los. Nur vereinzelt laufen Wanderer vorbei. Die Kälte zieht mir in die Glieder, aber irgendwie passt das zu dieser Kulisse. Ich fühle mich lebendig. Noch ist alles von einer Frostschicht überzogen, doch schon kurze Zeit später beginnt er zu tauen und tropft von allem ab, auf das er sich zuvor gelegt hat. Leider gibt es keine trockene Bank oder Sitzgelegenheit, wie gerne hätte ich mich hingesetzt und einfach nur geguckt.


Ab 09:30 Uhr kommen bereits die ersten Besuchergruppen am Karer See an. Es wird trubelig, alle machen Fotos, wie ich natürlich auch. Zu Hause stelle ich fest: Keines der Bilder, die mich teilweise sogar am Bildschirm staunen lassen, kommt an die Realität heran. Auch wenn es mir langsam zu voll wird, stelle ich eines erfreut fest: Die Menschen strahlen, lachen, haben Spaß und wirken beseelt. Es ist offensichtlich, dass der Karer See nicht nur bei mir Glücksgefühle freigesetzt hat.

Eine Frau steht auf der Aussichtsplattform am Karer See und bestaunt die Bergkulisse.
Schneebedecktes Latemar-Massiv, das über dem Karer See thront

Kurze Rundwanderung um den Karer See

Um den Karer See führt ein Rundweg, den ich gleich zweimal gelaufen bin. Man kann ihn rechts oder links herum gehen, auf jeden Fall aber kann man sich nicht verlaufen, da man den See fast immer in Sichtweite hat. Insgesamt ist die Strecke rund 1,3 Kilometer lang und lässt sich sehr gemütlich und ohne große Anstrengung und Steigungen in 20 bis 30 Minuten umwandern – perfekt für Menschen ohne alpine Erfahrung wie mich.


Wer mehr erleben und sehen möchte, kann das weitläufige Wanderwegenetz nutzen. Vom Karer See kann man beispielsweise ins Felslabyrinth des Latemar oder zum Mittersee wandern, an Möglichkeiten mangelt es definitiv nicht.

Rundweg um den Karer See, im Hintergrund sieht man den Rosengarten.

Dos and Don’ts am Karer See

Der Karer See ist ein geschütztes Naturdenkmal, das heißt, es gilt hier besonders sensibel zu sein und nichts als Fußspuren zu hinterlassen. Damit wir alle noch lange etwas von diesem Naturwunder haben, halte dich bitte an Folgendes:


✓ Dos: Ausdrücklich erlaubt 

  • Fotos machen …
  • … und dann Handy und Kamera einpacken, um mit den Augen zu genießen und zu bewundern.
  • Wandern, egal ob auf dem kurzen Rundweg oder längere Wanderungen in der Umgebung.
  • Respektvoller Umgang mit der Natur und mit allen anderen Besuchern vor Ort.


✘ Don’ts: Bitte nicht

  • Die Umzäunung rund um den Karer See nicht überschreiten.
  • Baden, Schwimmen und Eislaufen sind verboten.
  • Drohnenflüge sind aufgrund des Status Naturdenkmal untersagt. Der See liegt in einem sensiblen Naturschutzgebiet, wo besondere Regelungen zum Schutz der Flora und Fauna gelten. 
Natürliche Farbkontraste mit Blau, Grün und Weiß am Karer See.

Sage von der schönen Wassernixe

Der Karer See begeistert seit jeher durch seine sagenhaft schöne Kulisse – sagenhaft ist das Stichwort, denn natürlich rankt auch um den Karer See eine Sage, die seine Schönheit, genauer: sein Farbenspiel, erklärt.


“Im Karer See lebte einst eine wunderschöne Wasserfee: Oft saß sie am Ufer, flocht ihre blonden Zöpfe und sang leise vor sich hin. Eines Tages kam der Hexenmeister von Masaré am Karer See vorbei, hörte sie singen und verliebte sich in die Nixe. Mit all seiner Zaubermacht versuchte er, die liebliche Fee zu entführen, doch diese ließ sich nicht erwischen. So bat der Hexenmeister schließlich die Hexe Langwerda um Hilfe. Langwerda gab ihm den Rat, er solle sich als Juwelenhändler verkleiden und vom Rosengarten zum Latemar einen Regenbogen zaubern. Dann solle er sich zum Karer See begeben, einem Bergsee auf 1.520 m Meereshöhe, um die Jungfrau anzulocken und zu entführen.


Gesagt, getan! Doch eines vergaß der böse Hexenmeister: sich zu verkleiden. Die Wasserfee bestaunte verzückt die wunderschönen Farben des Regenbogens und der vielen Edelsteine. Sie bemerkte jedoch auch den Zauberer, der sich am Ufer versteckt hielt und tauchte plötzlich wieder im Karer See unter. Seit diesem Tag ward sie nie mehr gesehen...


Der Hexenmeister war über das Misslingen der geplanten Entführung so wütend, dass er in seinem Liebeskummer den Regenbogen vom Himmel riss, ihn zerschmetterte und alle Regenbogenstücke, zusammen mit den Juwelen, in den See warf: Dies ist der Grund, warum der Karer See in den prächtigsten Regenbogenfarben schimmert und von der ladinischsprechenden Bevölkerung heute "Lec de Ergobando", Regenbogensee, genannt wird."


Quelle: www.suedtirolerland.it


An die Sage erinnert eine Statue der Nixe im See. Bei niedrigem Wasserstand erscheint sie und wie oben erwähnt: Bei mir saß sie sogar auf dem Trockenen.

Nahaufnahme vom Karer See, das seine intensive Farbe am Morgen zeigt.

Mein Fazit: Touristisch, aber zurecht

Wie das so ist, mit wunderschönen Orten, die erschlossen und gut zu erreichen sind. Der Karer See ist wirklich kein Geheimtipp und dass er so ein Besuchermagnet ist, wird vermutlich jeder nachvollziehen können, der den See einmal besucht hat. 


Magisch, malerisch, sprachlos machend, so würde ich ihn beschreiben. Wenn du in Bozen bist, setz dich in die Buslinie 180, um eine echte Naturschönheit zu erleben. Am besten früh morgens oder spät abends. Dann ist nicht nur weniger los, sondern das Licht auch am schönsten. 


Der Karer See ist ein Juwel und zeigt, wie wundervoll unsere Welt ist und sein kann – wenn wir sie bewahren und respektieren. Am Ende sind es doch die ehrfürchtigen Momente, die uns nachhaltig in Erinnerung bleiben. Nicht TikTok, nicht Instagram, nicht betonierte Städte. Sondern die echte, erlebbare Natur.

Über mich

Katrin in Portugal an der Algarve

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