Ausflug von Bozen nach Meran mit dem Zug
Das hübsche Städtchen Meran in Südtirol besticht durch seine Lage im Etschtal, sein mediterranes Klima sowie seine üppige Pflanzenwelt. Auch architektonisch kann sich Meran mit den Lauben und Jugendstilbauten sehen lassen und lädt zu einem Stadtbummel ein. Für einen Tagesausflug bin ich von Bozen nach Meran mit dem Zug gefahren und ließ mich entspannt treiben.
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Hinter mir lagen drei Tage Bozen, nun stand meine Heimreise bevor. Zumindest fast. Denn an meinem Abreisetag hatte ich viel Zeit, da mein Zug zurück nach Köln erst am späten Nachmittag fuhr. Die Zeit wollte ich nutzen, um für ein paar Stunden ins nahegelegene Meran zu fahren. Meinen Koffer gab ich am Bahnhof im Luggage Store ab, sodass ich für den Ausflug mit leichtem Gepäck unterwegs war. Die Entscheidung für den Ausflug erwies sich als goldrichtig, denn Meran hat mich wirklich begeistert – vor allem hinsichtlich der Vegetation und seinem mediterranen Flair.
Meran im Überblick
Land: Italien
Einwohner: rund 42.000
Lage: Norditalien, Etschtal in Südtirol
Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten: u.a. Altstadtbummel, Thermenbesuch, Gärten von Schloss Trauttmansdorff, Wandern entlang der Promenaden und Spazierwege, Dom, Stadtführung, Landesfürstliche Burg
Gut zu wissen:
- Meran gehört mit Bozen zu den größten Städten der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol.
- Dank des mediterranen Klimas wachsen in Meran Pflanzen wie Palmen, Zypressen, Steineichen, Lorbeer, Myrten und Libanonzedern.
- Ab dem 13. Jahrhundert wurde Meran unter den Grafen von Tirol zur Hauptstadt Tirols und erlebte eine erste Blütezeit.
- Nach einem geschichtlichen Auf und Ab erlebte Meran zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine weitere Blütezeit als Kurstadt, nachdem bekannte Wissenschaftler und Ärzte das milde und günstige Klima empfahlen. An diesem Status hat sich bis heute nichts geändert.
- Meran war im 19. Jahrhundert eines der beliebtesten Reiseziele des mitteleuropäischen Adels, der hier seine Sommerfrische verbrachte oder zur Luftkur kam. Kaiserin Sissi von Österreich hielt sich sogar viermal dort auf.
Von Bozen nach Meran mit dem Zug
Zwischen Bozen und Meran verkehrt im 30-Minuten-Takt die Bozen-Meran-Bahn. Die Fahrzeit beträgt rund 45 Minuten, in denen der Zug das hübsche Etschtal durchquert. Die perfekte Gelegenheit, um einfach aus dem Fenster zu gucken und die grüne Berglandschaft sowie endlose Rebstöcke an sich vorbeiziehen zu lassen.
Das Ticket für eine Fahrt kostet 7 Euro (Stand: Mai 2026). Da ich mir für den Aufenthalt in Bozen bzw. Südtirol die Mobilcard gekauft hatte, mit der man den ÖPNV in Südtirol unbegrenzt nutzen kann, musste ich mich nicht noch um dieses Zugticket kümmern. Alternativ zur Mobilcard kannst du die Tickets beispielsweise am Ticketschalter des Bahnhofs kaufen sowie über eine App von Trenitalia oder über die Südtirolmobil-App.
Persönliche Eindrücke
Meran hat mich in jeder Hinsicht positiv überrascht. Der eigentlich entspannte Vibe der Kurstadt, die unzähligen Blumen und Palmen sowie das Rauschen der wilden Passer haben mich geradezu mobilisiert und vitalisiert. Eigentlich entspannt? Als ich zu Besuch war, fand das Merano Flower Festival statt, ein Blumenfest mit Markt, das vor dem Kurhaus und auf der Passerpromenade für eine dichte Menschenmenge sorgte, die ich grundsätzlich am liebsten meide.
Doch unabhängig von meinen persönlichen Präferenzen hatte ich den Eindruck, dass die Stadt mitgedacht hat im Sinne der Bewohner und Besucher: öffentliche und saubere Toiletten, zahlreiche Bänke zum Verweilen und die berühmten öffentlichen Trinkwasserbrunnen. 69 soll es in Meran geben, die zu 95 Prozent von Quellwasser aus den umliegenden Tälern gespeist werden. Ich kann bezeugen, dass das Wasser wirklich eine 1a-Qualität hat. Und aus welchem Grund auch immer fand ich es total beglückend, mir das kostenlose Nass abzuzapfen und zu trinken. Also bei deinem Besuch unbedingt eine Trinkflasche dabeihaben!


Rundgang durch Merans Altstadt
Kunstvolle Blumenbeete, Palmen, mondäne Promenaden und Spazierwege, stilvolle Architektur, sich aneinanderreihende Cafés und Restaurants sowie die rauschende Passer zeichnen die Altstadt von Meran aus. Das i-Tüpfelchen dieser Kulisse bilden die imposanten Gipfel der Texelgruppe, die sich im Hintergrund über Meran erheben und einem in Erinnerung rufen, dass man sich in den italienischen Alpen befindet und nicht irgendwo am Mittelmeer.
Ein Rundgang durch Merans Altstadt spricht aber nicht nur die Sinne für das Schöne an, sondern führt auch zurück ins Mittelalter. Unter anderem Laubengasse, Korn- und Pfarrplatz sowie drei erhaltene Stadttore zeugen von der Geschichte des 13. Jahrhunderts und dem Stadtbau.
Kurhaus Meran
Bei einem Ausflug nach Meran darf, na klar, eine Sehenswürdigkeit nicht fehlen: das berühmte Kurhaus. Elegant steht es an der Passerpromenade und begeisterte ab 1874 einst die feine Gesellschaft mit prunkvollen Sälen und der kunstvollen, strahlend weißen Fassade. Hier traf sich der Adel bei Konzerten, Kongressen und Bällen – nicht zuletzt Kaiserin Sisi und Kaiser Franz Joseph I. ließen sich blicken.
Das Kurhaus zeugt noch heute von den prunkvollen Zeiten mit Marmor, Stuckarbeiten und dem Pavillon des Fleurs, dem Spiegelsaal. Übrigens: Der markante Kuppelbau und die Jugendstil-Ornamente gehen auf eine Erweiterung des Kurhauses zwischen 1912 und 1914 zurück. Beide – das Kurhaus und seine Prominenz – machten Meran europaweit als Kur- und Kulturstadt bekannt. Auch heute ist es Mittelpunkt des kulturellen Lebens in Meran. Einheimische und Gäste dürfen sich auf vielfältige Veranstaltungen freuen.
Gut zu wissen: Das Kurhaus ist (meist) nicht öffentlich zugänglich und kann nur im Rahmen von Veranstaltungen besucht werden.

Meraner Lauben
Für noch etwas ist Meran bekannt: die 800 Jahre alte Meraner Laubengasse, die Via Portici. Um das Jahr 1200 wurde sie auf Geheiß Meinhards II, Graf von Tirol, erbaut. Die Laubengasse ist der in Bozen recht ähnlich, doch eine Vorgabe beim Bau sah vor, dass die Meraner Lauben mindestens hundert Meter länger sein sollten als die Bozner. Und tatsächlich: Rund 400 Meter ist die Laubengasse lang, die in Bozen “nur” 300.
Das Besondere an den Lauben ist die Architektur: Im Erdgeschoss der Gebäude waren die Geschäftsräume und vor ihnen die Laubengänge, die mit Rundbögen zur Straße verbunden sind. In den oberen Etagen lebten die Händler und ihre Angestellten. Früher war die Meraner Laubengasse ein Ausdruck der Funktion als Handelsstadt, in der sich Händler aus ganz Europa trafen. Interessant finde ich, dass die Straßenseite über die Nationalität entschied. Die Nordseite der Laubengasse, also die sogenannten “Berglauben”, waren für die mitteleuropäischen Händler vorgesehen, die Südseite, die sogenannten “Wasserlauben”, für die italienischen Händler.
Dort, wo früher Handel stattfand und vielleicht mit einem Handschlag besiegelt wurde, tummeln sich heute noch immer Einheimische und Besucher der Kurstadt. Die Laubengasse ist
die Einkaufsstraße in Meran, dank der Überdachung auch bei schlechtem Wetter. Bei einem Bummel durch die Lauben lohnt sich ein Blick nach oben: Zierliche Erker, bunte Fassaden, Sprossenfenster, Fensterläden und Schmuckwerk zieren die Gebäude.

Stadtpfarrkirche St. Nikolaus Meran
Im Osten der Meraner Altstadt, am oberen Ende der Laubengasse, befindet sich die Pfarrkirche St. Nikolaus. Die spätgotische Architektur und der hübsche Turm machen die Kirche zu einem beliebten Fotomotiv und prägen maßgeblich das Stadtbild, ganz besonders von höheren Lagen aus betrachtet.
Bereits im 13. Jahrhundert wurde St. Nikolaus als Stadtkirche erwähnt. 1302 wurde diese Kirche abgerissen, um Platz für eine größere zu machen. Der Bau zog sich über 150 Jahre hin, sodass die Stadtpfarrkirche 1465 eingeweiht wurde. Der Turm wurde erst 1618 fertiggestellt. Nikolaus, dem der Dom geweiht ist, ist unter anderem der Patron der Kaufleute, Händler und Unternehmer. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, denn am Dom endet die geschäftige Laubengasse.
Gut zu wissen:
Hinter der Kirche führt der Tirolersteig hinauf zum Tappeinerweg, einem Höhenweg oberhalb von Meran.

Sehenswert: Wandelhalle
An der Winterpromenade befindet sich die Wandelhalle im Jugendstil, die von 1864 bis 1866 erbaut wurde. Diese elegante Kolonnade wurde schon wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung zur offenen Bildergalerie mit Büsten und Gedenktafeln wichtiger Persönlichkeiten sowie Wandbildern umgestaltet, die sich noch heute besichtigen lassen.
Die sogenannten “Molkekurgäste” trafen sich damals früh morgens in der Wandelhalle, um die frische Luft und die Natur zu genießen. Dabei tranken sie die Ziegen- oder Kuhmolke auf nüchternen Magen. Heute begegnen sich hier nicht mehr nur die reichen Kurgäste, sondern Gäste aller Art und genießen den historischen Ort mit der schönen Aussicht.
Wusstest du, dass …
… die Molkekur im 19. Jahrhundert derart populär war, dass jeder Kurort, der etwas auf sich hielt, sie in sein Kurprogramm aufnahm?

Wandern & Spazieren
Mein eigentliches Highlight waren die vielen Möglichkeiten, auf den Spazierwegen und Promenaden in und um Meran die Natur zu genießen. Den zahlreichen Wanderern, denen ich dabei begegnete, schien es ähnlich zu gehen. Ich habe gelesen, dass die Stadt Meran in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei der Gestaltung genau das vorsah: der Stadt einen Gartencharakter zu verleihen.
Abgesehen von den Grünflächen führen sechs Spazier- und Wanderwege durch bzw. rund um Meran, die insgesamt eine Länge von gut 18 Kilometern aufweisen und auch für Wanderanfänger wie mich geeignet sind. Senioren, Eltern mit Kinderwagen etc. können bequem zu jeder Jahreszeit von A nach B gelangen.
Die sechs Promenaden in und um Meran
Passerpromenade
Die Passerpromenade mit dem Kurhaus befindet sich direkt im Zentrum Merans. Sie ist gesäumt von Palmen, großen Bäumen und bunten Blumenbeeten, untermalt vom Rauschen der Passer. Zahlreiche Bänke hat die Stadt aufgestellt, perfekt für eine kleine Pause im Zentrum der Kurstadt nach einem Bummel oder einer kleinen Wanderung entlang des Promenadensystems. Die Passerpromenade wurde in mehreren Bauabschnitten zwischen 1817 und 1886 angelegt.
Winterpromenade
Die Winterpromenade schließt an die Passerpromenade an und führt zur Gilfpromenade. In den kalten und ungemütlichen Wintermonaten ist sie bei Spaziergängern beliebt, da sie sonnig und windgeschützt liegt. Gleichzeitig bietet die Wandelhalle Schutz bei Regen.
Sommerpromenade
Auf der gegenüberliegenden Seite der Winterpromenade verläuft die Sommerpromenade, die um 1866 angelegt wurde. An heißen Tagen spenden Libanonzedern, Mammutbäume, Pappeln und verschiedene Pinienarten Schatten. Sie beginnt am Elisabeth Park und endet am Steinernen Steg, der sie über die Passer mit der Gilfpromenade verbindet.
Gilfpromenade
Die wild-romantische Gilfpromenade, entlang derer zahlreiche subtropische Pflanzen wachsen, war mein Lieblingsweg. So eine Vielfalt, so viel Grün, so tolle Ausblicke auf die Passer und die Gilfklamm. Highlights dieses Weges sind der Steinerne Steg, also die älteste Brücke über die Passer aus dem 17. Jahrhundert, die Gilfklamm sowie die Pflanzenfiguren. Die Gilfpromenade führt serpentinenartig hinauf zum Tappeinerweg.
Tappeinerweg
Der Tappeinerweg, der im 19. Jahrhundert angelegt wurde, verläuft auf einer Höhe von 380 Metern und gehört damit zu den höchsten Höhenpromenaden Europas. Pflanzen aus aller Welt wachsen an diesem sonnenbeschienen Hang, der gleichzeitig ein eindrucksvolles Panorama auf Meran und die umliegenden Berge bietet. Highlights des Weges sind der Pulverturm, der frei zugänglich bestiegen werden kann, ein Kräutergarten sowie die Gletscherschliffe. Diese geglättenden Felsen sind durch die Bewegung massiver Gletscher entstanden.
Sissiweg
Der Sissiweg verbindet das Stadtzentrum mit den berühmten Gärten von Schloss Trauttmansdorff. Es geht unter anderem vorbei am Elisabeth Park mit einer Marmorstatue der einstigen Kaiserin und vorbei an verschiedenen Schlössern, etwa Schloss Rottenstein, dem Schloss ihres Schwagers, wo sie nachweislich einen ihrer Meran-Aufenthalte verbrachte.

Die Gretchenfrage: Bozen oder Meran?
Was ist schöner: Bozen oder Meran? Am Ende ist es ja immer Geschmackssache, richtig oder falsch gibt es nicht. Und was sage ich? Beides 🙂
Meran hat mich besonders durch seinen Gartencharakter, die üppige Vegetation und das mediterrane Flair angesprochen. Architektonisch hat mich Bozen mehr überzeugt. An Ausflugsmöglichkeiten, Unternehmungen und Aktivitäten mangelt es in keiner der Städte, von Bozen aus kann man beispielsweise zum Karer See fahren.
Letztendlich lohnt sich definitiv ein Besuch beider Städte. Sie liegen dicht beieinander und lassen sich gut miteinander verknüpfen. Perfekt, um dir die Frage “Bozen oder Meran?” selbst zu beantworten.
Mein Fazit: Mehr Zeit ist immer gut
Meran ist wunderschön und lohnt sich mindestens für einen Tagesausflug, besser gleich für mehrere Tage. Da meine Zeit aufgrund der bevorstehenden Heimreise begrenzt war, konnte ich mir nur einen Teil der Stadt ansehen und leider nicht die Umgebung oder beispielsweise Schloss Trautmannsdorf. Natürlich ist Meran eine touristisch hochfrequentierte Stadt, kein Wunder. Kurgäste, Tagesbesucher und Aktivurlauber mischen sich unter die Einheimischen. Ruhe findet man meiner Meinung nach trotzdem, da sich durch das weite Wegenetz alles gut verteilt. Meran war ein würdiger Abschluss für meinen ersten Urlaub in Südtirol und war eine goldrichtige Entscheidung für einen Ausflug dorthin.
Über mich

Hey, ich bin Katrin, schön, dass du auf meinem kleinen Reiseblog gelandet bist. Ich bin leidenschaftlich gerne unterwegs, liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen und immer wieder ein bisschen mehr von mir selbst. Der Blog richtet sich an alle, die gerne alleine reisen oder es einfach mal ausprobieren wollen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern.
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